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Bonhoeffer

 

Von guten Mächten treu und still umgeben
behütet und getröstet wunderbar,-
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

 

Noch will das alte unsre Herzen quälen
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsren aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

 

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

 

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

 

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

 

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen,
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

 

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich trete aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss

.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

 

Wer bin ich? Sie sagen mir auch
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

 

Bin ich das wirklich, was andre von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

 

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beide zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor dem schon gewonnenen Sieg?

 

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt in mir Spott.
Wer ich auch bin, du kennst mich, dein bin ich, o Gott!

 

Dietrich Bonhoeffer, geschrieben im Juni 1944 in Haft

 

Zitate

 

„Vom ersten Aufwachen bis zum Einschlafen müssen wir den anderen Menschen ganz und gar Gott befehlen und überlassen,
und aus der Sorge um den anderen
Gebete für ihn werden lassen.“

„Lasst uns nicht kleinmütig werden!
Gott hat uns so gemacht, dass das Herz des Menschen
stärker ist als alle irdischen Gewalten.“

 

„Viele Menschen suchen ein Ohr, das ihnen zuhört,
und sie finden es unter den Christen nicht,
weil diese auch dort reden, wo sie hören sollten.
Wer nicht lange und geduldig zuhören kann,
der wird an Anderen immer vorbeireden
und es selbst schließlich gar nicht mehr merken.“

 

Wir haben Gottes Segen empfangen im Glück und im Leiden.
Wer aber selbst gesegnet wurde, der kann nicht anders
als diesen Segen weitergeben.
Ja, er muss dort, wo er ist, ein Segen sein.
Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden;
dieses Unmögliche ist der Segen Gottes.

 

„Segnen – das heißt sichtbare, spürbare wirksam werdende Nähe Gottes.
Segen will weitergegeben sein, er geht auf andere Menschen über.
Wer gesegnet ist, ist selbst ein Segen. Das wollen wir füreinander und
für alle Menschen, die unserer Arbeit oder unserer Fürbitte anvertraut sind, sein. Es gibt nichts Größeres, als dass ein Mensch ein Segen für andere ist. Nicht nur eine Hilfe, ein Gefährte, ein Freund, sondern ein Segen.
Das ist viel mehr.“