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Impuls für den Tag

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre (Vertraue) des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn                                                                        Psalm 27,13 und 14
 

Letzten Sontag, während meiner kontaktfreien Zeit, machte ich mir viele Gedanken über meine Seele. Eigentlich über die Seelen aller und was diese derzeitige Situation mit unseren Seelen macht. Unwillkürlich dachte ich an meinen Opa, der in zwei Weltkriegen an der Front gekämpft hat.
Er sprach nicht viel über diese belastende Zeit. Aber diese eine Geschichte hat er immer wieder erzählt: Nach dem Krieg wurde er ins Gefängnis gesperrt. (wo, habe ich mir leider nicht gemerkt). Nebenan in der Zelle hörte er eines Tages Stimmen. Ein Dialekt der ihm bekannt vor kam. Und auch diese eine Stimme kannte er. Es war die Stimme eines ihm bekannten Mannes aus Liedolsheim. Er rief laut seinen Namen und ob er es denn wirklich sei. Als die beiden realisiert hatten, welch großer Zufall sie zusammengeführt hat, stimmten sie gemeinde folgendes uraltes Gesangbuchlied an:

 

 
Harre meine Seele, harre des Herrn.
Alles ihm befehle, hilft er doch so gern.
Sei unverzagt, bald der Morgen tagt,
und ein neuer Frühling, folgt dem Winter nach.
In allen Stürmen, in aller Not,
wird er Dich beschirmen, der treue Gott.
 
Harre meine Seele, harre des Herrn,
alles ihm befehle, hilft der doch so gern.
Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht.
Größer als der Helfer, ist die Not ja nicht.
Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsere Seele,
Du treuer Gott!
 

Und er erzählte auch immer wieder, wie sie durch dieses Lied aufgerichtet wurden. Welch Aussagekraft diese Worte, gerade heute in dieser unsicheren Zeit besitzen!!! Wenn eigene Worte fehlen, kann ein uralter Bibel- oder Liedvers oft so viel bewirken, Mut und Hoffnung machen und uns letztendlich die Sicherheit geben, dass Gott den Menschen vor über 2000 Jahren, unseren Vorfahren im Krieg und genauso uns heute in allen Stürmen beisteht.  Was unterscheidet uns zu den Menschen, damals im Krieg? Wir müssen nicht in Bunker rennen und sehen keine Bomben fallen. Wir sitzen nicht unverschuldet im Gefängnis, höchstens in Quarantäne in unseren eigenen vier Wänden. Und da geht es uns gut. Wir sitzen Zuhause mit einem Dach über dem Kopf, genug zum Essen, Trinken und manche haben sogar Klopapier, welches für die nächsten Jahrzehnte ausreichen sollte 😊
Wir haben die Möglichkeit, Kontakte zu pflegen, dürfen virtuell an Gottesdiensten teilnehmen. Wir leben in einem sicheren privilegierten Land, ohne dass uns Bomben in Angst und Schrecken versetzen, so, wie es unsere Eltern und Großeltern erlebt haben. Wir können Musik hören. Entschleunigen. Die Ruhe genießen. Was ich sehe, wenn ich aus dem Fenster blicke ist ein gewaltfreier, blauer Himmel und eine strahlende Sonne, die meine Seele wärmt. Bäume, die jeden Tag ihre Knospen ein wenig mehr öffnen. Eine Welt der Wunder, die sich weiterhin dreht. Unsere Freiheit ist uns nicht genommen, sie wartet nur auf uns.
Verfallen wir nicht in Panik, Nörgeleien, Neid und Angst.
Mit Gottes Hilfe und seiner Stärke können wir voller Zuversicht der kommenden Zeit entgegensehen, in der Hoffnung, dass der gesundheitliche und wirtschaftliche Schaden so gering wie möglich sein wird.

Harren wir des Herrn und hoffen auf ihn!
Bleiben wir miteinander und mit IHM in Verbindung!
PS:
Der Anlass für dieses Lied war allerdings kein kirchlicher.
Durch ein Risikogeschäft im Indigo-Handel war der Dichter Johann Friedrich Raeder wirtschaftlich angeschlagen. Er fand so die Kraft zum Durchhalten und sah es selbst als Wunder, dass die im Voraus bezahlten Handelsgüter eintrafen und  ihm den Ruin erspart blieb.

 

-Annette Süß, CVJM und Kirchengemeinde Liedolsheim