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Impuls für den Tag

4.4.2020

 

Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.

Psalm 115,2.3

 

Manchmal kann Gott ganz schön Probleme machen.

 

Mir macht er zuweilen Probleme, wenn es nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle. Und damit meine ich nicht etwa egoistische Wünsche und Vorstellungen.

 

Da ruft ein befreundetes Ehepaar an und erzählt vom Sohn, der erneut die x-te Ausbildung abgebrochen hat, der die Eltern zum Begleichen seiner Schulden braucht und ansonsten nicht. Da fragt mich ein Freund, warum sich Gott nicht beweisen lasse. Wenn Gott Gott wäre, dann müsse er doch bessere und eindeutigere Spuren hinterlassen. Und überhaupt, was dieser angeblich liebe Gott alles an Ungerechtigkeit und Leid auf dieser Welt zulässt, ist einfach unbegreiflich.

 

Als Theologe kann ich diese Fragen bestens einordnen. Theodizee lautet der Begriff der Fachsprache: Wie steht es mit Gottes Gerechtigkeit angesichts weltlicher Ungerechtigkeit? Ich kann auf das Buch Hiob und so manchen Psalm verweisen, wo diese Fragen auch vorkommen. Doch was hilft das ganze Einordnen, wenn es mich dennoch und bleibend beschäftigt? Diese Not und das Leid sind ja real. Es ficht mich an!

 

Manchmal habe ich ein Problem mit Gott! Und die Frage jener, die nicht an Gott glauben – in der Losung „Heiden“ genannt -, schmerzt mich, weil ich sie mir auch zuweilen stelle: Wo ist denn mein Gott?

 

Manchmal hilft es mir, wenn ich mir vergegenwärtige, dass Gott einfach Gott ist. Und wenn ich Gott in allem seinem Handeln verstehen, ermessen und beweisen könnte, würde er aufhören, Gott zu sein. Die Vermessung Gottes will mir einfach nicht gelingen. Sie kann gar nicht gelingen. Denn Gott ist und bleibt größer als all mein Wissen, Verstehen und Können.

 

Manchmal freue ich mich darüber. Wenn Gott größer ist als all mein Wollen und Vollbringen, dann kann er auch geben und schenken über all mein Verstehen hinaus. Gott hat mich schon oftmals überrascht.

 

Manchmal stoße ich mich an Gottes Unverfügbarkeit. „Er kann schaffen, was er will“, entspricht seiner Freiheit, ob es mir immer gefällt oder auch nicht.

 

In allem bleibt Gott Gott und ich sein Kind. Und das ist gut so!

 

Dr. Martin Reppenhagen, Dekan evangelischer Kirchenbezirk, Karlsruhe-Land