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Alltagsgedanken

November

 

„Was war grad richtig gut – und was hat mich geärgert“

Es gibt sonntags um 11 Uhr eine Sendung im Fernsehen aus Bayern: Stammtisch. Manchmal höre ich beim Kochen mit. Es geht um Tagespolitik und was sonst noch grad in der Welt los ist. Ein reger Austausch der Gesprächspartner – und: am Schluss der Sendung darf jeder sagen, was für ihn in der vergangenen Woche gut war und über was man sich geärgert hat. Das gefällt mir. Das könnte man auch bei uns einführen; lassen sich doch daraus Rückschlüsse ziehen, was den Einzelnen gerade so bewegt oder umtreibt.

Nun – das will ich jetzt tun. Was hat mich in den vergangenen Tagen besonders geärgert und über was habe ich mich besonders gefreut?

Ich fange über meinem Ärger an. Nein – Ärger ist nicht ausreichend. Es ist Trauer, Wut – ja und auch Ärger. Durch die „Aktion“ des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan - 10 ausländische Diplomaten zu „unerwünschten Personen“ zu erklären weil sie sich für die Freilassung  eines seit 4 Jahren ohne Verfahren einsitzenden Bürgerrechtlers ausgesprochen hatten, kam es „mir wieder in Erinnerung“: ja, in der Türkei sitzen 1000de Menschen seit Jahren unschuldig im Gefängnis, weil sich ein Herr Erdogan in seiner „Ehre“ gekränkt fühlt oder weil er Menschen ausschalten will, die nicht seine Meinung teilen.
Ich darf mich da gar nicht gefühlsmäßig in die Betroffenen und ihre Familien hinein denken. Das raubt mir den Schlaf.

Was hat mich gefreut? Ach, da gäbe es sehr viel zu schreiben. Ich wähle eins. Ich hatte Geburtstag.
Was mich da besonders gefreut hat sind die vielen Karten und Briefe und auch Päckchen. Auch Grüße per Mail haben mich erreicht. Aber die schriftlichen Grüße, die, die ich auch hinterher noch lesen oder anschauen kann - das ist schon was Besonderes. Zwei Briefe enthielten als Geschenk auch Briefmarken; das ist praktisch, weil ich ja auch noch viel schreibe. Von nix kommt nix.

Also – es ist nicht das erste Mal, dass ich davon schreibe: Schreibt einfach mal wieder eine echte Karte oder einen Brief. Das erfreut den Empfänger – und auch den Absender kann es zufrieden machen.

Und: vielleicht ist der Gedanke sich mal wöchentlich ein paar Minuten hinzusetzen und sich die Zeit zu nehmen um über den Ärger und die Freude nachzudenken, gar nicht schlecht.
Noch besser, wenn man das in Gesellschaft machen kann.

Evi Oberacker